Zahnbürsten
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Vom Zahnholz zur modernen Zahnbürstenindustrie

Zahnpflege hat hohe volkswirtschaftliche Bedeutung

Richtige und regelmäßige Zahnpflege ist ein wichtiger Beitrag zur Mundgesundheit. Und nicht nur das: Die Zahnpflege mit guten Zahnbürsten stellen einen bedeutenden volkswirtschaftlichen Faktor dar. Statistische Erhebungen der vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, daß sich der Kariesbefall bei den Kindern und Jugendlichen seit 1973 mehr als halbiert hat. Nach Berechnungen des Bundesgesundheitsministeriums hat der durch die Verbesserung der Mundgesundheit erreichte niedrigere Behandlungsbedarf Milliardenbeträge bei Zahnbehandlungen eingespart. Obwohl die Bemühungen der Zahnärzte und der Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege verbunden mit den Herstellern von Zahnbürsten und Zahnpflegemitteln in den vergangenen 15 Jahren zu einer wesentlichen Verbesserung der Mundgesundheit geführt haben, belaufen sich die Kosten für zahnärztliche Leistungen in der Bundesrepublik Deutschland noch immer auf rund 180 Milliarden DM (im Jahre 1980 waren es nur 85,96 Milliarden DM). Dieser beachtliche Kostenfaktor rechtfertigt alle Bemühungen der Zahnbürstenindustrie und der zahnärztlichen Organisationen, die Bevölkerung weiterhin und nachhaltig auf eine regelmäßige Zahnpflege aufmerksam zu machen. Statistisch gesehen ist die Bundesrepublik Deutschland mit einem Verbrauch von statistisch gesehen 2,2 Zahnbürsten pro Person und Jahr noch immer ein zahnhygienisches "Entwicklungsland".

Zahnbürsten sollen, dies fordern alle medizinischen Fachleute, alle 2 bis 3 Monate erneuert werden. Nur dann kann eine gute und zuverlässige Zahnreinigung gewährleistet wer- den. Die Zahnbürsten-Industrie bietet mittlerweile eine überaus reichhaltige Palette verschieden geformter Zahnbürsten mit unterschiedlich hartem Besteckungsmaterial an, der Kauf einer Zahnbürste und ihre Auswahl sollte also jedem Konsumenten Freude bereiten. Zähneputzen ist die wichtigste Prophylaxe gegen Karies und Parodontose. Leider wird in den zahnärztlichen Praxen in der Bundesrepublik Deutschland noch zu wenig Aufklärungsarbeit zum Thema "Zähneputzen" geleistet. Die deutsche Illustrierte der "STERN" schreibt zu diesem Thema in ihrer Ausgabe vom 30. Mai 1996: "Nach einer von Peter Purcker, Oberarzt an der Parodontologischen Abteilung der Universtätsklinik Berlin verfaßten neuen Studie, die die Häufigkeit und Schwere von Zahnbetterkrankungen bei 45 bis 54jährigen im internationalen Vergleich mißt, schneiden wir in Deutschland schlechter ab, als die Schweiz, Skandinavien und die USA. Die Ursachen der Misere sind klar: Es gibt zuwenig Ärzte, die sich für die Zahn-"Basis" interessieren. Schon bei der Ausbildung hapert es. So gibt es an den 31 deutschen Uni-Zahnkliniken nur 10 Abteilungen für Parodontologie. Und was die Studenten an den Universitäten nicht lernen, holen sie auch später als niedergelassene Zahnärzte in Fortbildungskursen kaum nach.

Wenngleich sich die Zahnpflege in Deutschland in den vergangenen Jahren wesentlich verbessert hat, was auch an den kontinuierlich wachsenden Produktionszahlen für Zahnbürsten abzulesen ist, gibt es dennoch eine Gruppe, die signifikant häufiger die Zähne reinigt, als alle anderen Alters- und sozialen Gruppen, teilte uns ein erfahrener Zahnarzt mit: "Am häufigsten putzen sich Verliebte ihre Zähne".

Zahnpflege im Spiegel der Geschichte

Bei der Bundeszahnärztekammer in Köln wurde ein Museum eingerichtet, das die Entwicklung der Zahnpflege dokumentiert. Kustor des Museums ist Herr Egon Peters, der sich mit dieser Thematik jahrelang beschäftigt hat, zahlreiche Exponate für dieses Museum erwerben konnte und sich kompetent der "Kulturgeschichte der Zahnpflege" gewidmet hat. Als Autor zahlreicher Fachbeiträge hat er sich als Kenner der Materie ausgewiesen. Wir zitieren aus seinen Veröffentlichungen: Was den modernen Menschen vielfach erst nach erheblichen Aufklärungsbemühungen zur täglichen Gewohnheit wird - nämlich die Zahnpflege - war schon bei den alten Ägyptern vor dreieinhalbtausend Jahren so selbstverständlich, daß sie die morgendliche Mundreinigung mit Natron in ihrer Umgangsprache als "Frühmal" bezeichneten. Ähnliche Popularität gewann die Zahnreinigung mit fasrig gekauten Zweigen, die in dem islamischen Kulturbereich Miswak oder Siwak genannt wurden. Die Verwendung fasrig gekauter Zweige wurde aber schon im altindischen Gesetzbuch von Manu (600 v. Chr.) erwähnt und in der berühmten altindischen Sammlung medizinischen Wissens (Susruta, etwa 400 n. Chr.) empfohlen. Als "Zahnpasta" benutzte man ein Gemisch aus Honig, Öl, pulverisiertem bengalischem Pfeffer, Zimt, Ingwer und Salz. Fasrig gekaute Zweige dienten in der vorislamischen Zeit den Arabern und afrikanischen Naturvölkern allgemein zur Zahnreinigung. Ihre Bedeutung wurde später noch religiös motiviert, als Mohammed erklärte, ein Gebet das nach Reinigung der Zähne mit dem Miswak gesprochen werde, sei mehr wert als 75 gewöhnliche Gebete. Die Bedeutung der Zahnpflege war also damals schon erkannt und sollte durch ihren Eingang in das Glaubensbuch, den Koran, als eindringliche Verpflichtung hervorgerufen werden. Für den Miswak oder Siwak wurden meist Zweige des Arakbaumes (Salvadora Perscia) oder anderer aromatischer Hölzer verwendet. Durch Untersuchungen in jüngster Zeit wurde festge- stellt, daß die wesentlichen in Nigeria benutzten Hölzer einen hohen Fluoridgehalt von 8 bis 22 ppm (das sind 8 bis 20 tausendstel Promille) aufweisen. Interessant ist dabei, daß die Naturmedizin offensichtlich die Bedeutung der Fluordierung der Zähne schon im Altertum erkannt hatte. Auch aus anderen Religionen ist die Zahnpflege schon aus frühester Zeit belegt. So wurde in Griechenland um 300 v. Chr. von Diokles empfohlen, die Zähne nach dem Aufstehen mit den Fingern und Minzesaft zu reinigen.

Das Mundspülen vor und nach den Mahlzeiten ist in dem erwähnten indischen Gesetzbuch von Manu vorgeschrieben und aus den alten indischen Bower-Manuskripten sind bereits 6 Rezepte von Mundpflegemitteln übermittelt (400 n. Chr.). Großer Wert auf die Körper- und Zahnpflege haben auch die Azteken gelegt: Sie hatten die Zähne mit Kohle gereinigt, mit Salz gepflegt und mit Harn gewaschen. Das Spülen des Mundes mit Harn war früher offenbar nichts ungewöhnliches: In China empfahl man neben der Reinigung mit pulverisiertem Rinderhorn auch das Spülen mit Nachtharn von Knaben und selbst der Begründer der wissenschaftlichen Zahnheilkunde der französische Arzt Pierre Fauchard schrieb noch in seinem berühmten Werk von 1728: Zur Karieshemmung soll der Mund morgens und abends mit einigen Löffeln frisch gelassenen Urins gespült werden. Er warnt jedoch - ebenso wie der Hofzahnarzt Friedrich des Großen, Philip Pfaff (1756) - vor dem häufigen Gebrauch der Zahnbürste, weil dabei Zähne und Zahnfleisch ruiniert würden. Pfaff hielt zwar die Reinigung mit der Zahnbürste für notwendig, aber nur einmal alle 14 Tage! Inzwischen ist freilich nachgewiesen, daß das Reinigen mit der Zahnbürste die Zähne nicht beschädigen kann, die Zahnpflegemittelhersteller haben längst erkannt, daß stark abrasierende Komponenten in der Zahnpasta den Zahnschmelz beschädigen können.

Pinsel als Zahnbürsten

Die Zahnbürste wurde 1498 in China "erfunden", doch war sie - in Anlehnung an die allgemein gebräuchlichen Zahnhölzchen - pinselförmig ausgestaltet. Der heute übliche plattenförmige Borstenträger ist allerdings bereits im Jahre 1609 in einer chinesischen Enzyklopädie dokumentiert, zu einer Zeit als in Europa noch lange die Pinselform verbreitet war. Erst mit Beginn des 18. Jahrhunderts bürgerte sich auch hier die Plattenform als Borstenträger ein. Eine der ersten Darstellungen ist das "Zahnbürstel" aus der Zeit Friedrichs des Großen (um 1730), das durch einen verschnörkelten Griff aus kunstvoll geschmiedetem Silber eher als Schmuck - denn als Gebrauchsgegenstand - diente. Das ist durchaus verständlich, weil im 18. Jahrhundert dem Gebrauch der Zahnbürste wesentlich weniger Erfolg zugeschrieben wurde, als es den verschiedensten Zahnreinigungsmittelchen aus der damals noch sehr verbreiteten "Drecksapotheke" (u.a. pulverisierte Krebsaugen, Perlmut, Hirschhorn, in Harn eingelegte Krötenschenkel). Der einzige Zahnarzt, der im 18. Jahrhundert in seinem Buch die Notwendigkeit des täglichen Zähneputzens mit der Zahnbürste herausstellte, war der Engländer Thomas Berdmore. Er bestätigte in seiner 1771 (in deutscher Sprache) erschienenen Abhandlung zwar den allgemeinen Glauben, das Zähnebürsten sei für das Zahnfleisch schädlich, doch zeigt er deutlich die wahren Zusammenhänge auf, daß nämlich das Zahnfleisch nur mangels richtiger Zahnpflege blutet. Er empfiehlt daher, schon mit Beginn des Zahnwechsels im Kindesalter allmorgendlich die Zähne mit Wasser und Zahnbürste zu reinigen. Den Erwachsenen, die unter Zahnfleischbluten beim Zähneputzen leiden, rät er zur Fortsetzung des Zähneputzens. Dadurch entstehe eine heilsame Reizung und das Zahnfleisch gewinnt schließlich wieder seine Festigkeit. Eine für die damalige Zeit beachtenswerte und auch heute noch gültige Erkenntnis. Der allgemein realitätsfernen Einschätzung der Mundpflege stand - zumindest bei Fauchard (1728) die modern anmutende Einsicht entgegen, daß Süßigkeiten die Zähne schädigen und man deshalb nach deren Genuß stets mit lauwarmem Wasser ausspülen sollte. Erst 1801 wurde auch in Deutschland von dem fürstlichen Hofzahnarzt Carl Schmidt den Erwachsenen eindringlich nahegelegt, schon die Kinder zum täglichen Zähneputzen - allerdings vor dem Frühstück - zu erziehen. Dieser fortschrittlich denkende Zahnarzt wandte sich auch entschieden gegen das Vorurteil, das man mit der Bürste den Schmelz wegpolieren könnte, dies sei nur durch Verwendung aggressiver Zahnpulver möglich. Während in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich bereits eine Vielfalt von Zahnbürstenformen präsentiert wurde, die zum Teil zur Reinigung spezifischer Bereiche konstruiert waren, zeigte man sich in Deutschland trotz der verbreiteten Eitelkeit recht sparsam in der Verwendung der Zahnbürste. Erst in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts setzte sie sich auch in Deutschland allmählich durch, obschon immer wieder Zahnärzte und Ärzte vor ihrem Gebrauch warnten. In den Lehrbüchern findet man in dieser Zeit bereits Anleitungen zum Zähneputzen, bei denen die kreisende (Rotations-Bewegung) empfohlen wird.

Die größte Vielfalt von Zahnbürstenformen bringt jedoch das 20. Jahrhundert und es ist erstaunlich, zu welch ausgefallenen Spielarten sich die Hersteller und Erfinder von immer neuen Zahnbürstenformen inspirieren lassen in dem Bestreben, eine möglichst optimale Zahnpflege zu gewährleisten. Als Grundkonzept setzte sich jedoch, trotz aller Modifikationsbemühungen, schließlich die "normale" Zahnbürste mit Kunststoffborsten und kleinem Bürstenkopf durch. Zudem werden heute zur modernen und effektiven Zahnreinigung zahlreiche weitere bewährte Hilfsmittel angeboten, wie z.B. Interdentalbürsten, Zahnseide und freilich auch elektrische Zahnbürsten, die zu hoher technischer Reife entwickelt wurden. Den Spezialmaschinenherstellern ist es gelungen, Hochleistungsautomaten zu entwickeln, die nahezu jede Zahnbürstenform perfekt herstellen können und zu ihren Maschineneinrichtungen liefern, mit denen jede einzelne Borste der Zahnbürste sorgfältig abgerundet werden kann. Die hohe Perfektion dieser Maschinen inspiriert Dental-Hygieniker immer wieder zu neuen Entwicklungen und Verbesserungen eines Produktes von hoher volkswirtschaftlicher und zahngesundheitlicher Priorität: Der Zahnbürste.

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